Zur Debatte gestellt: Meinungen und Kontroverses -
Die große Tragödie des Philipp Preißler
von Ivonne Grecksch
Wie aus einem Wahlsieg ein menschliches Desaster wurde
Unsere beschauliche Heimatstadt Freiberg kommt nicht zur Ruhe. Querelen um den Ausgang der Oberbürgermeisterwahl und nun Berichte über die Tragödie des spät ins Amt gekommenen Oberbürgermeister Philipp Preißler halten unsere Stadt in Atem. Die Gefühle unserer Bürger reichen von Mitleid für den gefallenen „Shooting Star“ bis hin zu Fassungslosigkeit über das Geschehene, so kann man es zahlreich in den Kommentaren, die im Internet kursieren, nachlesen. Die Reaktion des Landrates Sven Krüger ist nachvollziehbar. Er hatte offensichtlich keine andere Wahl, als Philipp Preißler vom Amt zu suspendieren und ihm die Amtsgeschäfte zu untersagen.
Philipp Preißler schweigt bisher zu den Geschehnissen. Eine furchtbare Tragödie, die möglicherweise schon auf die Methodik des Wahlkampfes einiger seiner Gegner zurückgeführt werden kann. Wahlkampf ist Kampf. Das liegt schon im Wort selbst begründet. Nicht jeder ist dem gewachsen. Und regelmäßige Gerüchte über mangelnde Eignung und nicht belegbare Informationen über sein Privatleben machen etwas mit dem betroffenen Kandidaten. Der Kandidat selbst muss das auch aushalten, meinen einige, die glauben, sich auszukennen. Aber hinter allem steht auch immer ein Mensch. Da gibt es den weniger Empfindlichen und den Empfindsamen. Alles wird aufgewogen mit dem Ergebnis des Wahlkampfes und das war eindeutig. Der Sieger wird von Glücksgefühlen übermannt und damit für erlittene Anfeindungen entschädigt. Anders bei Philipp Preißler. Seine Wahl wurde angefochten. Ihm wurde unlauterer Wahlkampf unterstellt. Für das entschädigende Glücksgefühl nach überstandenen Strapazen war da plötzlich kein Platz mehr.
Von einer Verliererseite der Oberbürgermeisterwahl wurde in diesem Zusammenhang regelmäßig das demokratische Recht, einen Wahlausgang anfechten zu können, ins Spiel gebracht. Wahlen und ihr Ergebnis sind der Ausdruck demokratischen Handelns und Wählerwille. Die Anfechtung beinhaltet dagegen die juristische Möglichkeit, ein Wahlergebnis zu hinterfragen. Die ist in einem Rechtsstaat gegeben. Ob aus Rache oder Neid, spielt dabei keine Rolle. Das Landratsamt wies den Einspruch zurück, was folgte war die Klage vor dem Verwaltungsgericht Chemnitz. Und hier wird es jetzt wirklich interessant.
Welches Interesse hatte der Kläger oder vertrat er fremde Interessen?
Prozessbeobachter bestätigen, der Kläger war nicht in der Lage, Fragen zu seiner Klage komplex zu beantworten. Er verwickelte sich in Widersprüche und hatte offensichtlich wenig Kenntnis vom Freiberger Politgeschehen. Schon zu diesem Zeitpunkt stellte sich akut die Frage: Wer steckt hinter dieser Klage und wer hat dem Kläger die Informationen an die Hand gegeben?
Siehe auch unsere Beiträge vom 1. und 22. Juli 2026. In unserem Beitrag vom 22. Juli berichteten wir bereits, dass uns ein digitaler Schriftsatz vorliegt, der den Fraktionsvorsitzenden und Mitbewerber um das Oberbürgermeisteramt Steve Ittershagen als Verfasser ausweist.
Wir befragten ihn dazu, erhielten aber nur ausweichende Antworten. Er verwies darauf, dass der Kläger gegenüber der Freien Presse bereits eine umfassende Stellungnahme abgegeben hat und er unabhängig davon sich während des Verfahrens zur Anfechtung der Oberbürgermeisterwahl nicht öffentlich geäußert habe. „Mit dem Amtsantritt von Herrn Preißler ist das Verfahren der Wahlanfechtung abgeschlossen“, erklärt er in seiner Antwort. Bemerkenswert war auch, dass Ittershagen seine Antwort nicht wie erbeten per E-Mail übermittelte, sondern persönlich zu meiner privaten Wohnadresse gebracht hat. Ich war zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht zu Hause. Dass er meine Adresse über eine Google-Recherche ermittelt hatte, geht aus seinem eigenen Schreiben hervor.
Der Schriftsatz, der Steve Ittershagen als Autor ausweist, ist nicht irgendein Schriftsatz, es ist der Entwurf des Schreibens an das Verwaltungsgericht Chemnitz zur Anfechtungsklage. Der Kläger wurde in diesem Entwurf noch nicht benannt. Möglicherweise war man sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz sicher, wer als Kläger auftreten sollte. Der Kläger ist durch die Gerichtsverhandlung inzwischen bekannt. Auf Nachfrage erhielten wir die Antwort, dass der Originalschriftsatz identisch mit dem ist, der Steve Ittershagen als Verfasser ausweist. FORUM AKTUELL liegt aber nicht nur der Schriftsatz zur Anfechtungsklage vor. Entsprechender Mailverkehr belegt ebenfalls eine Beteiligung von Steve Ittershagen an der Vorbereitung der Anfechtungsklage.
Glaubwürdigkeit und Politik
Glaubwürdigkeit und Politik, eine Frage, die sich immer wieder stellt. Die stellt sich nun auch in diesem Fall, denn Steve Ittershagen hatte immer wieder beteuert, nichts mit der Klage gegen die Oberbürgermeisterwahl zu tun gehabt zu haben.
Folgt der Tragödie um Philipp Preißler nun auch eine weitere für die Stadt Freiberg?
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Ich bin Ivonne Grecksch und Teil des Redaktionsteams von FORUM AKTUELL und schreibe über das Geschehen vor unserer Haustür.
Aufgewachsen im Zschopautal, hat mich mein Weg nach Großhartmannsdorf geführt. Beide Orte liegen im Erzgebirge und sind eng mit der Geschichte der Region und der alten Silberstraße verbunden. Ich bin gern unterwegs, liebe das Reisen und habe dabei vieles von der Welt gesehen. Dennoch zieht es mich immer wieder zurück in meine Heimat.
Mit offenen Augen durchs Leben zu gehen bedeutet für mich auch, nicht nur die schönen Seiten zu sehen, aber statt zu jammern, frage ich nach, packe an und berichte sachlich und nah an den Menschen, manchmal auch mit einem Augenzwinkern.
Das Schreiben begleitet mich seit meiner Jugend. Privat bin ich verheiratet, Mutter von zwei Söhnen und Oma.