Zur Debatte gestellt: Meinungen und Kontroverses -

Don't change a running system

Debattenbeitrag von Cosima Altstädt

Über den Wert von Beständigkeit in der Familie und die Schattenseiten moderner Trennungskultur.

Zwei Haustüren und ein Zaun dazwischen
KI-generiertes Symbolbild

Sprichwörter, Gleichnisse, Parabeln gehören zu den Reichtümern und Weisheiten der Völker der Erde. Man findet sie schon im alten China, in Arabien und im europäischen Raum. "Don't change a running system!" ist eines, das im Englischen noch besonders allgegenwärtig und auch sehr prägnant ausgedrückt ist.

Wir kennen es ja alle aus den verschiedensten Lebensbereichen, sei es das Handwerk und die Industrie, oder seien es Familien- und Gemeindestrukturen: Jeder hat es selbst schon erlebt. Nämlich - wird etwas Neues eingeführt, dann hapert es erst einmal, es läuft einfach nicht mehr rund, Produktionsprozesse funktionieren nicht so vorteilhaft, wie es die Planungen vorsehen, ehemals erfolgreiche Handwerker liefern mit den neuen Methoden plötzlich nicht mehr die gewohnt guten Produkte - es geht ihnen einfach nicht mehr von der Hand.

Noch dramatischer sind Veränderungen in Familien. Wie sehr leiden Kinder darunter, wenn sich ihre gewohnte Umgebung ändert, wenn ein Elternteil die Familie verlässt oder beispielsweise ein geliebter Großelternteil stirbt. Was die Kinder in diesen Situationen erleben, das geht leider oft unter, wenn die Eltern organisatorische Aufgaben zu erledigen haben und zugleich ihren eigenen Schmerz mit niemandem besprechen können. Es rüttelt das System Familie derart durcheinander, dass leider allzu häufig eine Familie ganz auseinanderbricht. Die Erwachsenen können sich zwar neu organisieren. Für die Kinder bleibt die dauernde Erfahrung, dass es keine Sicherheit gibt. Vielleicht ist das eine wesentliche Ursache für die fortlaufende Tendenz zu den  "Singlehaushalten" in Europa und in Deutschland. „Selbstverständlich“, werden Sie vielleicht sagen, „das ist doch nichts Neues“. Das heißt, wir nehmen es so hin und lehnen die Verantwortung ab, dass wir selbst diese Brüche in den Familien - so im Falle von Scheidung - allzu schnell herbeiführen. Es scheint die einfache Lösung, denn Trennung ist allgemein akzeptiert und es gibt scheinbar sehr gut funktionierende Modelle für die sogenannten "Scheidungskinder" - sie können ja abwechselnd bei Mutter und Vater leben ! Sie wechseln also meist im Wochenrhythmus ihren Bezugsraum, oft auch die Bezugspersonen. Sie erleben, dass Mutti und Vati nicht mehr herzlich, sondern zum Beispiel oft kühl miteinander umgehen. Von ihnen selbst wird erwartet, dass sie, die Kinder, stets freundlich und ausgeglichen in allen Situationen bleiben, dass sie unauffällig und erfolgreich ihre Schulbildung absolvieren.

Erleben die Kinder dabei jene Beständigkeit und Sicherheit, die sie eigentlich brauchen?
Wer fragte die Kinder, ob sie in dieser Konstellation leben wollen?
Wer Kinder in Ruhe fragt und sie reden lässt, wird ihre herzlichsten Wünsche kennenlernen - und im Grunde wissen wir es alle: sie wünschen sich Mutter und Vater und gemeinsame Erlebnisse und freundliche gemeinsame Gespräche, an denen Kinder eben wachsen können.

Sind Trennungen wirklich alles tragische Einzelfälle? Einfach Erwachsene, die nun mal nicht zusammen passen? Oder haben wir doch das Streiten ein wenig verlernt und es verloren, Meinungsverschiedenheiten auszusprechen, auszuhalten, nachzudenken, den Blick des anderen einzunehmen, Kompromisse zu suchen und zu besprechen und Lösungen gemeinsam umzusetzen ohne die Radikalität der Trennung?!..

Wie sieht denn die Beratung in Eheberatungsstellen oder bei Psychologen aus? Welche Erfahrung in Beratung haben Sie gemacht?
Werden Sie gestärkt, über Lösungen und Kompromisse nachzudenken, oder werden Sie dahingehend beeinflusst, sich an Ihren ureigenen Bedürfnissen zu orientieren und sich abzugrenzen von Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin?
Wird Ihre Rolle und die gewählte Aufgabenstellung in Ihrer Familie angesprochen, werden Sie in Ihrer Rolle bestätigt und ermutigt nachzudenken, was Sie zur Stärkung der Familie tun können?

Was hat das alles mit dem obigen Sprichwort zu tun? Ist das Sprichwort noch zeitgemäß und sinnvoll?
Wie denken Sie darüber?
Gerne veröffentlichen wir einige Leserbriefe in FORUM AKTUELL.

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