Zur Debatte gestellt: Meinungen und Kontroverses -
Ein vergessener 150. Geburtstag
Erinnerung von Guntram Wiesner
Eine Straße sowie ein Institutsgebäude tragen seinen Namen. An seinem einstigen Wohnhaus befindet sich eine Gedenktafel. Und doch dachte am 19. Mai 2026 niemand offiziell an seinen 150. Geburtstag!
„Der hat doch keine Bedeutung“, stellte ein Westentsandter treffsicher fest. Gleiches wird Rektorin Jutta Emes anscheinend denken, welche „uni-hopsend“ mit viel Vorschusslorbeeren den gesetzten Erwartungen nicht entsprechen will, noch wahrscheinlich kann. Zwangsläufige Folge der Talfahrt deutscher Wissenschaften? Verbunden mit professoralen Ränkespielen und viel heißer Luft um den Hirsch-Faktor?
Es war die erste Industrieprofessur mit einem eigens dafür errichteten Forschungsinstitut an der Bergakademie. Der Berufene konnte auf keinen der damals üblichen Promotionstitel (ohne heute wieder notwendigen Parteibuch oder richtigem Geschlecht) verweisen, was ihm bis heute eine eher singuläre Bedeutung beimisst – gleichzeitig ein Novum innerhalb der akademischen Ausbildung an der Bergakademie.
Geboren in Magdeburg als zweites Kind eines Schichtmeisters und späteren Rechnungsrats, begann er nach Militärdienst und Steigerausbildung ein Studium, welches er als diplomierter Bergingenieur abschloss.
Wie ein Menetekel haftet an ihm, wie vielen anderen auch, seine Unterschrift unter dem „Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler“; dabei folgte er nur dem damals herrschenden Zeitgeist. Politische Indoktrination und Einflussnahme nach 1933, unter anderem auf den Lehrbetrieb, wurden innerhalb der Bergakademie keinesfalls widerspruchslos hingenommen. So gehörte auch er zu den wenigen erwähnungswürdigen Ausnahmen, welche sich nicht dem Zeitgeist ergaben. Die NSDAP nutzte seine Emeritierung 1941 dahingehend, ihn in seiner Lehrtätigkeit zu beschränken beziehungsweise ihm diese anscheinend ganz zu entziehen. Zuvor sollen deutliche Warnungen an ihn ergangen sein.
Nach kurzzeitiger Internierung durch die Rote Armee nahm er seine Forschungs- und Lehrtätigkeit an der Bergakademie wieder auf, geehrt 1949 mit dem Nationalpreis der DDR sowie 1952 mit dem Ehrendoktor der RWTH Aachen. Eine Spurensuche endet nicht in der Brikettierung, sondern findet über die 1928 gegründete Versuchsstrecke mit den daraus ausgegründeten Firmen IBexu als auch MPA Dresden (nun Kiwa GmbH) ihre Fortsetzung bis heute. Somit hat er wesentlich mehr Bedeutung, als spurenlose Westentsandte in 100 Jahren vorweisen werden können.
Das akademische Historicum wird für eine differenzierte Sichtweise keinen Raum bieten; folgt dieses doch unbelehrbar den altbekannten Verhaltensmechanismen einer Schwarz-Weiß-Ideologie.