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CSD in Freiberg: Zwischen bunten Bildern und einem bitteren Beigeschmack
von: Ivonne Grecksch
Bunte Fahnen, Musik und politische Botschaften prägten am 11. Juli 2026 das Stadtbild von Freiberg. Der CSD zog durch die Innenstadt. Unter dem Motto „Farbe bekennen, das Patriarchat muss brennen“ wollten die Teilnehmer sichtbar sein und ihre fragwürdigen Botschaften in die Öffentlichkeit tragen.
Auf den ersten Blick bot sich ein bekanntes Bild: bunte Farben, Bewegung, Musik und Menschen, die für ihre Überzeugungen auf die Straße gingen. Doch wer an diesem Tag genauer hinschaute, erlebte mehr als nur diese bunten Bilder. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit entstanden Momente, die einen bitteren Beigeschmack hinterließen.
Ich war für FORUM AKTUELL als Berichterstatterin live vor Ort. Bereits am Bahnhofsvorplatz, dem Ausgangspunkt der Veranstaltung, war eine starke Polizeipräsenz zu sehen. Personen, die nicht zur CSD-Parade gehörten, wurden kontrolliert. Menschen, die sich lediglich im Umfeld aufhielten oder auf andere warteten, gerieten ebenfalls in diese Maßnahmen.
Der süßliche Duft von Cannabis umgab die Demonstranten, aber in Anbetracht des Mottos der Veranstaltung schien das die Ordnungshüter nicht besonders zu stören. Dabei waren auch kleine Kinder Teil der Veranstaltung und hielten sich im Bereich des Geschehens auf. Für mich stellte sich die Frage, welchen Eindruck solche Situationen bei Kindern hinterlassen. Die Auftaktkundgebung konnte ich als Nichtteilnehmerin nicht vollständig verfolgen, da ich keinen ausreichenden Zugang zum Versammlungsbereich hatte.
Als sich der Demonstrationszug schließlich in Bewegung setzte, begann meine Arbeit als Berichterstatterin. Ich wollte die Geschehnisse dokumentieren und fotografisch festhalten. Doch kaum hatte sich der Demonstrationszug in Bewegung gesetzt, zeigte sich, wie manche Pressefreiheit offenbar verstehen. Eine Person, die weder als Ordner noch in anderer Funktion erkennbar war, stellte sich vor meine Kamera und versuchte, mich am Fotografieren zu hindern. Für ein Gespräch bestand offensichtlich kein Interesse. Ein Polizeibeamter sorgte dafür, dass ich meine journalistische Arbeit fortsetzen konnte.
Kurz darauf kam es am Straßenrand zu einer weiteren Situation. Nach meiner Beobachtung richteten einzelne Demonstrationsteilnehmer vulgäre Worte gegen einen Passanten. Dieser reagierte daraufhin ebenfalls verbal. Die Polizei griff ein und kümmerte sich um den Passanten sowie die Situation vor Ort. Während der Zug weiter durch Freiberg zog, blieb der Vorfall am Straßenrand nicht die letzte Auseinandersetzung des Tages.
Viele Teilnehmer zeigten sich bunt und engagiert. Gleichzeitig waren politische Botschaften sichtbar, darunter die Aufschrift „Freiberg bleibt Antifa“. Für manche ist dies ein Ausdruck ihrer politischen Haltung, andere Menschen empfinden solche Botschaften als Abgrenzung. Während einer Zwischenkundgebung fiel in einem Redebeitrag der Satz: „Das ist unsere Stadt, das ist unsere Straße.“ Die Aussage war Teil einer Rede. Die Worte sollten vermutlich Zugehörigkeit und Präsenz ausdrücken. Bei den Beobachtern riefen solche Aussagen jedoch unterschiedliche Reaktionen hervor.
Nach dem zweiten Redebeitrag suchte ich das Gespräch mit einem Teilnehmer des CSD. Thema waren Schmierereien im Zusammenhang mit der Veranstaltung. An einer Hausfassade waren Schriftzüge mit Bezug zum CSD und Hinweise auf den Treffpunkt am Bahnhof angebracht worden. Ich fragte den Teilnehmer, wie er diese Schmierereien bewerte. Seine Antwort war eindeutig: Er distanzierte sich davon und erklärte, dass Sachbeschädigungen abzulehnen seien und dem Anliegen des CSD schaden würden. Kurz danach kam es erneut zu einer Begebenheit, die mir stark in Erinnerung blieb. Einzelne Personen reagierten auf meine Arbeit als Berichterstatterin mit Beschimpfungen und zeigten mir den Mittelfinger. Für Diskussionen sorgte später auch eine Veröffentlichung auf Instagram. Auf dem Kanal „Buntes Freiberg“ erschien ein Bild einer Person, die sich nicht als Teilnehmer des CSD, sondern als Beobachter im Umfeld der Veranstaltung befand und das Geschehen dokumentierte. Warum auch Zuschauer fotografiert und veröffentlicht wurden, blieb eine offene Frage.
Am Abend fand die bunte Parade bei einem Konzert auf dem Schlossplatz ihren Abschluss.
Im Nachgang erhielt ich eine private Nachricht eines Besuchers. Er schilderte, dass er dort von drei jungen Männern bedrängt worden sei. Nach seinen Angaben hätten diese verlangt, dass er seinen Pullover abgibt, und ihm gedroht, er komme andernfalls nicht nach Hause. Erst das Einschreiten der Polizei habe die Situation beendet. Eine unabhängige Überprüfung dieser Schilderung liegt aber nicht vor.
Der CSD in Freiberg zeigte an diesem Tag unterschiedliche Seiten. Viele Teilnehmer wollten friedlich für ihre Anliegen werben und suchten den Austausch. Gleichzeitig gab es Situationen, die bei mir Fragen hinterließen. Auch der Umgang mit dem öffentlichen Raum wurde zum Thema. Die Diskussion um die zahlreichen Plakatierungen im Stadtgebiet begleitet den CSD seit Jahren. Kritiker sehen in den wild geklebten Plakaten eine Belastung für das Stadtbild und einen Widerspruch zum Anspruch, für Respekt und Rücksichtnahme einzutreten.
Kritik äußert auch der Freiberger Landtagsabgeordnete und langjährige Stadtrat Marko Winter. Seit Jahren bemängelt er die aus seiner Sicht massive illegale Plakatierung im Vorfeld des CSD. Beklebte Bushaltestellen, Verteilerkästen und Litfaßsäulen prägten regelmäßig das Stadtbild, wobei Spuren der Plakatierungen teilweise noch Jahre später sichtbar seien. Nach eigenen Angaben hat Winter diese Thematik bereits in Anfragen an die Stadt Freiberg und den Landkreis Mittelsachsen aufgegriffen.
Winter erklärt dazu: „Störend an diesen Veranstaltungen ist vor allem die massive illegale Plakatierung im ganzen Stadtgebiet. Für mich ist das ein Zeichen, dass sich die Veranstalter so fühlten, als stünden sie über Recht und Gesetz.“
Die Plakatierungen sind jedoch nur ein Aspekt der Kritik am Freiberger CSD. Zu Toleranz gehört auch, andere Meinungen, kritische Fragen und journalistische Berichterstattung auszuhalten. Genau dieser Eindruck entstand bei mir an diesem Tag nicht in allen Situationen.
Wer Toleranz einfordert, muss sie auch selbst leben – gegenüber Andersdenkenden ebenso wie gegenüber Journalisten. Gerade daran muss sich eine Veranstaltung messen lassen, die für Respekt und Vielfalt wirbt. Nach diesem CSD blieben bei mir nicht nur Zweifel, sondern auch ein bitterer Beigeschmack.
Über die Autorin
Ich bin Ivonne Grecksch und Teil des Redaktionsteams von FORUM AKTUELL und schreibe über das Geschehen vor unserer Haustür.
Aufgewachsen im Zschopautal, hat mich mein Weg nach Großhartmannsdorf geführt. Beide Orte liegen im Erzgebirge und sind eng mit der Geschichte der Region und der alten Silberstraße verbunden. Ich bin gern unterwegs, liebe das Reisen und habe dabei vieles von der Welt gesehen. Dennoch zieht es mich immer wieder zurück in meine Heimat.
Mit offenen Augen durchs Leben zu gehen bedeutet für mich auch, nicht nur die schönen Seiten zu sehen, aber statt zu jammern, frage ich nach, packe an und berichte sachlich und nah an den Menschen, manchmal auch mit einem Augenzwinkern.
Das Schreiben begleitet mich seit meiner Jugend. Privat bin ich verheiratet, Mutter von zwei Söhnen und Oma.
Kommentar von Jonas Krahl:
Demut statt PrideBilder CSD © Jonas Krahl, 2026
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Queer und Antifa © Jonas Krahl, 2026 -
Grüne Jugend auf CSD © Jonas Krahl, 2026 -
Anarchie-Flagge beim Freiberger CSD © Jonas Krahl, 2026 -
No Border No Nation bie CSD © Jonas Krahl, 2026 -
© Jonas Krahl, 2026 -
Queerfeminismus © Jonas Krahl, 2026 -
Freiberg bleibt Antifa © Jonas Krahl, 2026 -
Ansicht CSD © Jonas Krahl, 2026