Zur Debatte gestellt: Meinungen und Kontroverses
Werden Sie ein Bundeskanzler des Friedens!
Fürsprache von Guntram Wiesner
Gedanken zu einem nicht interessierenden Brief
Noch nie war der Frieden in diesem Land wie auch in Europa so bedroht wie derzeit. Es ist der offene Brief von Clivia von Drewitz mit der Forderung an Friedrich Merz „Werden Sie ein Bundeskanzler des Friedens!“, der dies thematisiert.
In diesem Brief, der sowohl von der Berliner Zeitung [1] als auch von der Ostdeutschen Allgemeinen als Open-Source-Beitrag dankenswerterweise veröffentlicht wurde, erinnert Richterin Clivia von Drewitz zu Recht an die Schrecken sowie an die damit fest verbundenen Schicksale des Zweiten Weltkrieges.
Wahrscheinlich kennt die von Bundeskanzler Friedrich Merz geführte Regierung keine Erlebnisberichte von Kriegsteilnehmern. Da ist der schwerverwundete Kamerad, den man liegen lassen muss und dem man zum Abschied eine geladene Pistole hinterlässt. Oder wie ein Offizier kaltblütig einen schwerverwundeten Gefangenen erschießt, nachdem einfache Landser ihn verbandstechnisch versorgt haben.
Es sind die sogenannten Hasenjagden, wie sie mein Vater als 13-Jähriger erlebte, die ihn prägten und über die er nie sprechen konnte. Wer erkundigte sich nach den unmenschlichen Bedingungen in Kriegsgefangenenlagern an den Rheinwiesen oder im fernen Sibirien, deren genaue Todeszahlen oder Leiden niemand kennt – noch wissen will? Wer fragt noch nach den Ängsten viel zu junger Soldaten in den Schützengräben?
Altkanzler Konrad Adenauer gab in Genf bekannt, dass von 12 bis 18 Millionen Vertriebenen ca. sechs Millionen nicht ankamen und deren Lebenswege in den Kriegswirren spurlos verschwanden.
Der deutschen Außenpolitik fehlen die großen Namen der Kriegsgeneration wie Brandt, Bahr, Schmidt, Kohl, Genscher oder Klaus von Dohnanyi. Längst haben demokratisch nicht legitimierte, ideologische Hardliner wie Ursula von der Leyen oder Kaja Kallas das Kriegszepter übernommen. Gegen sie kann und wird sich auch ein Friedrich Merz nicht auflehnen. Vielmehr präsentiert man sich anbiedernd mit ukrainischen Neonazis, die offen SS-Symbole kritiklos zur Schau stellen. Zu einem derartigen Auftritt kam es am 28. Februar 2026 in der Dresdner Frauenkirche [2]. Erschwerend kommt hinzu, dass allein das Zeigen dieser Symbole nach deutschem Strafrecht zu verfolgen ist.
Ist es wieder eine unkritisch unterwürfige Mehrheit, welche den totalen Krieg wie 1943 entweder jubelnd begrüßt oder desinteressiert hinnimmt? Keiner will jedoch in das angstvoll flehende Soldatengesicht sehen, das eine Drohne aufnahm, bevor sie ihm wahrscheinlich sein Leben auslöschte.
Brachte Michail Gorbatschow 2019 in einem Grußwort [3] noch die Hoffnung zum Ausdruck „dass die schreckliche Vergangenheit überwunden und dass Lehren und Schlüsse daraus gezogen wurden“, und betonte, die Deutschen hätten die Verpflichtungen erfüllt, welche sie im Vereinigungsprozess übernommen haben, so muss dies heute klar verneint werden.
Unter Bundespräsident Steinmeier (SPD) sowie den Kanzlern Angela Merkel (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Friedrich Merz (CDU) wurde zugelassen, „dass jemand versucht, unsere Völker zu entzweien“. Gorbatschow merkte vorausschauend an: „Dies ist jetzt besonders wichtig, wo so vieles in der Welt Besorgnis weckt.“
Clivia von Drewitz fordert zu Recht diplomatische Initiativen ein, die jedoch ausbleiben werden. Diplomatie basiert auf Vertrauen, mahnte einst Egon Bahr [4]:
„In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“