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Gerichtsreport: Reifenwechsel wird zum Beziehungsdrama
Von: Dave Dittrich und Claudia Weinmann - Söding
Gerichtsreport: Reifenwechsel wird zum Beziehungsdrama
FORUM AKTUELL berichtet regelmäßig über Kriminalfälle aus dem Freiberger Amtsgericht.
Freiberg. Eigentlich sollte der Prozess wegen Nötigung und Körperverletzung am Amtsgericht Freiberg pünktlich um 13 Uhr beginnen. Auf der Anklagebank saß Hamza L.* (Name von der Redaktion geändert). Er ist ein ca. 50 jähriger ein Maler aus Pirna. Da der Angeklagte jedoch kaum Deutsch verstand und sein Dolmetscher nicht rechtzeitig erschienen war, passierte erst einmal zwanzig Minuten lang gar nichts im Saal. Erst nach dem Eintreffen des Übersetzers konnte die Verhandlung fortgesetzt werden.
Der Vorfall in Flöha
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 50-Jährigen einen Vorfall aus dem November vergangenen Jahres vor, der sich in der Fritz-Heckert-Straße in Flöha ereignet haben soll. Hamza L. soll dort die Beifahrertür des Autos seiner ehemaligen Partnerin Sabrina Z. (36) geöffnet und die Frau so fest am Oberarm gepackt haben, dass sie Druckstellen erlitt. Der Versuch der Autofahrerin, den Mann aus dem Wagen zu drängen, blieb erfolglos, weshalb sie das Fahrzeug schließlich selbst verließ.
Hamza L. bestritt den Vorwurf vor Gericht. Er schilderte die Situation gänzlich anders: Er habe die dreimonatige Beziehung zu der Frau beendet, weil sie ihn belästigt habe. Am besagten Tag habe er vom Balkon ausgesehen, dass sie am Auto mit einem platten Reifen hantierte, und ihr beim Wechsel geholfen. Danach habe sie sich betrunken ans Steuer setzen wollen, um an einer Tankstelle Nachschub zu kaufen. Er habe sie lediglich daran hindern wollen und deshalb damit gedroht, die Polizei zu rufen. Warum die Frau schließlich selbst die Beamten verständigte, könne er sich nicht erklären.
Widersprüchliche Aussagen im Zeugenstand
Die Geschädigte Sabrina Z., eine 36-jährige Ingenieurtechnologin, widersprach dieser Darstellung im Zeugenstand deutlich. Begleitet von einer Dolmetscherin erklärte sie, dass die Reifen ihres Wagens absichtlich zerstört worden seien. Hamza L. habe sich beim Radwechsel ungefragt aufgedrängt. Als sie anschließend zu einer Freundin fahren wollte, sei er plötzlich in den Wagen gestiegen und habe sie festgehalten. Sie habe sich mit den Beinen befreien müssen, um aus dem Auto zu kommen.
Auch den Vorwurf des Alkoholkonsums wies die Zeugin zurück. Sie trinke generell keinen Alkohol und habe die Beziehung bereits eineinhalb Monate vor dem Vorfall beendet. Die damals gerufenen Polizeibeamten hatten die beschädigten Reifen im Keller begutachtet und die Blutergüsse am Arm der Frau fotografiert.
Prozess wird fortgesetzt
Ein geladener Polizeibeamter konnte vor Gericht nur wenige Details beitragen. Der sonst zuständige Kollege war im Urlaub. Deshalb beruhten seine Informationen im Wesentlichen auf einem Gespräch mit der Nichte der Geschädigten, die beim Polizeieinsatz übersetzt hatte.
Bewegung kam in das Verfahren, als die Richterin das Vorstrafenregister des Angeklagten verlas. Daraus ging hervor, dass gegen Hamza L. erst im Januar ein Strafbefehl über 60 Tagessätze wegen Nachstellung gegen seine eigene Ehefrau erlassen worden war.
Aufgrund der widersprüchlichen Aussagen und der Vorstrafe verzichtete das Gericht auf eine schnelle Einstellung des Verfahrens. Um den Fall weiter aufzuklären, wurden der im Urlaub befindliche Polizeibeamte sowie ein Nachbar als Zeugen für den nächsten Verhandlungstag geladen. Die Sitzung wurde um 14:30 Uhr unterbrochen.