Unterhaltsames

 

Die Mongolei - zwischen dem russischen Bären und chinesischen Drachen

Reisebericht von Hans-Lutz Erler

Anfang Juli 2026 reisten wir für 10 Tage in das Land des Dschingis Khaan – die Mongolei. Von Frankfurt aus besteht einmal täglich eine direkte Flugverbindung der mongolischen Fluggesellschaft MIAT. Nach 8 Stunden Flug in einer Boing 787-900 erreicht man mit 6 Stunden Zeitverschiebung den modernen, 2021 eingeweihten Flughafen der mongolischen Hauptstadt. Er liegt 52 km südlich von Ulaanbaatar und ist mit einer sechspurigen Autobahn mit dem Stadtzentrum verbunden.
Prinzipiell herrscht Rechtverkehr, aber wo das Lenkrad im Auto letztendlich ist, stört niemanden.

Die Hauptstadt präsentiert sich als moderne Großstadt, in der die Hälfte der Gesamtbevölkerung , 1,8 Mio Einwohner, leben. Die Mongolei ist dreimel so groß wie Deutschland. Im Stadtzentrum gibt es noch einzelne Gebäude aus der Zeit der sowjetischen Einflussnahme von 1921 bis 1990. Ansonsten prägen moderne Wohn- und Geschäftshäuser die kälteste Hauptstadt der Welt auf 1400 m Höhe. An das Zentrum grenzen nahtlos Ger-Siedlungen. Ger ist der mongolische Ausdruck für Jurte.

Für unseren Begriff „Wende“ verwenden die Mongolen den Begriff „Demokratisierung“. In der Zeit von 1936 bis 1938 ließ der mongolische Ministerpräsident Choibalsan nach dem Vorbild des sowjetischen Geheimdienstes NKWD fast alle Klöster dem Erdboden gleich machen, Zehntausende Mönche wurden ermordet. Das Nationalheiligtum, eine 30 m hohe Buddhafigur, verschleppte die Rote Arme aus dem Gandankloster in die Sowjetunion, wo sie seitdem spurlos verschwunden ist. Nach 1990 ließ die buddhistische Gemeinde für 5 Mio US$ Spendengelder wieder eine vergoldete Janraisig-Statue errichten. 1995 wurde der wiedererbaute Gandanklosterkomplex am Stadtrand von Ulaanbataar vom 14. Dalai Lama geweiht. 40% der mongolischen Bevölkerung (Tendenz steigend) bekennen sich zum Buddhismus der tipetischen Richtung (Lamaismus).

Im Zentrum von Ulaanbaatar befindet sich das 2024 eröffnete Dschingis-Khaan-Museum. Es zeigt eindrucksvoll über 7 Etagen die Geschichte des mongolischen Reiches von dessen Gründung 1206 bis zum größten zusammenhängenden Landreich der Geschichte über 33
Mio km² von Ostasien bis nach Legnitz an der polnischen Grenze im 14. Jahrhundert.
Wir lassen die Hauptstadt hinter uns und fliegen eine Stunde in die südlich gelegene mongolische Gobi – eine riesige Steppenlandschaft. In ihr leben ca. 65 Mio Nutztiere: Ziegen, Schafe, Pferde, Fleischkühe, Kamele in nomadischer Viehhaltung. Drei Nächte durften wir in einem traditionellen Ger-Camp mit Blick auf die Ausläufer des Altaigebirges verbringen. Unsere Wanderung zu Steinzeichnungen aus der Bronzezeit wurde vorher mit Hirse, verstreut in alle Himmelsrichtungen, gesegnet.
Dieses Gebiet gilt heute als Region mit den besten Dinosaurier-fundstellen weltweit. Von allen Fundstellen wurde die Gobi im Verlauf der Erdgeschichte am längsten nicht mehr von Wasser überflutet und bietet ideale Konservierungsbedingugen für bisher 76 gefundene Arten. Es gibt in der Gobi lückenlos Mobilfunkempfang und Glasfaserkabel wurde vom Militär flächendeckend im ganzen Land verlegt. Sehr wehmütig haben wir Abschied genommen, die riesigen Viehherden am Wasserloch, die Stille und Weite waren beeindruckend.

Unser nächstes Ziel war der Terelj-Nationalpark. Kontrastreicher konnte die Landschaft nicht sein: unberührte Flusslandschaften, Lärchenwälder und Wildblumenwiesen mit Türkenbundlilien, Vergissmeinnicht und Edelweiß.

Zum Abschluss der Reise durften wir das Naadam-Fest miterleben. Es findet jährlich vom 10.-13. Juli statt und erinnert an die Unabhängigkeitserklärung des Landes im Jahr 1921. Bei diesem Fest messen sich die Mongolen in den traditionellen Sportarten Pferderennen, Bogenschießen und Ringen, einheimische Besucher und Ausführende alle in Nationaltracht.

Wir hatten in der Mongolei ein atheistisches Reitervolk erwartet und haben ein stolzes, nationalbewusstes, die alten Gebräuche lebendes und zutieft religiöses Volk vorgefunden. Danke für die Gastfreundschaft.

Die Hauptstadt Ulanbataar, Ger-Camp in der Steppe, Nadaam-Festival und Terelj-Nationalpark (Fotos: Hans-Lutz Erler)

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