Dr. Mathilda Huss’ Vortrag: Wenn Wissenschaft provoziert

von Dominik Kern

Foto der Referentin vorm Publikum im Städtischen Festsaal
© Freiberger Forum e.V. 2026

Was prägt den Menschen mehr: Die genetische Veranlagung oder das soziale Umfeld? An dieser Schlüsselfrage scheiden sich die Geister, sie ist der Ausgangspunkt zahlreicher politischer Debatten. Die Antwort der Referentin Dr. Mathilda Huss fiel eindeutig aus: Jeder Mensch ist durch seine Gene bereits entscheidend geprägt und keineswegs ein weißes Blatt.
Anhand aktueller Fachpublikationen verdeutlichte die promovierte Biologin, dass neben physischen Attributen wie der Körpergröße auch Verhaltensmerkmale wie Extrovertiertheit einem biologischen Bauplan folgen. Wie fein dabei Unterschiede aufgelöst werden können, zeigte die Visualisierung eines polygenetischen Index: Allein durch die Clusterbildung genetischer Daten einer europäischen Stichprobe rekonstruierte sich die geografische Landkarte Europas. Ihre Schlussfolgerung: Die Genetik bestimmt somit nicht nur den Menschen, sondern auch die Welt, die er sich erschafft. Diesen Aspekt sieht sie in der politischen Debatte, u.a. um die demografische Krise, fahrlässig ignoriert.

Gemessen an ihrem wissenschaftlichen Lebenslauf wäre Dr. Huss eine renommierte Expertin ihres Fachs - stünde ihre Forschung nicht im Konflikt mit dem derzeit herrschenden politischen Narrativ. Dass durch diese Ideologie besonders die Biologie zunehmend unter Druck gerät, zeigte sich u.a. an der Geschlechterdiskussion, in der biologische Fakten durch meist Fachfremde zur Ketzerei erklärt werden. Dr. Huss rief dazu auf, sich stärker an fundierten Fakten statt an Wunschdenken zu orientieren.

Die rund 150 Gäste im Städtischen Festsaal verfolgten die Ausführungen aufmerksam. Schwerpunkte der anschließenden Diskussion waren u.a. die schwierige Zuordnung von komplexen Verhaltensmerkmalen zu Gensequenzen, Leistungsunterschiede im Spitzensport sowie die prekäre Lage der Humangenetik im Spannungsfeld zwischen kommerziellen Interessen und politischem Rechtfertigungsdruck. Ein Zuhörer kritisierte den Vortrag und wiederholte den strapazierten Rassismusvorwurf gegen das Fachgebiet, initiierte damit jedoch eine überraschend aufschlussreiche Diskussion. Weitere Fragen betrafen die Diffamierung der Wahl-Potsdamerin im Zuge des correctiv-Skandals sowie ihre Zukunftskonzepte für Schloss Reinsberg.

Ein Mitschnitt des Vortrags wird hier in Kürze verlinkt. Wer mehr über Dr. Mathilda Huss und ihre Standpunkte erfahren möchte, dem sei das ausführliche Interview bei Benjamin Berndt empfohlen.

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