Besuch zum 90. Geburtstag: Ein Leben, das Geschichte erzählt

Marko Winter

Blumenübergabe an Sigrid Söding durch Marko Winter © Claudia Weinmann-Söding
Sigrid Söding und Marko Winter © Claudia Weinmann-Söding

Kürzlich durfte ich eine der besonderen Seiten meines Mandats erleben: An ihrem 90. Geburtstag besuchte ich die Seniorin Sigrid Söding, die mir persönliche Einblicke in ihr bewegtes Leben gab. Der Wunsch nach Frieden ist in ihrer Generation besonders ausgeprägt. Es gilt aus diesen Erfahrungen zu lernen.

Marko Winter: Liebe Frau Söding, zu Ihrem 90. Geburtstag gratuliere ich Ihnen von Herzen. Neun Jahrzehnte Lebenserfahrung sind nicht nur ein beeindruckendes Alter, sondern ein Schatz an Erinnerungen und jeder Menge Erfahrungen. Sie haben Zeiten erlebt, die sowohl Sie, als auch unser Land geprägt haben. Es erfüllt mich mit großem Respekt und aufrichtiger Bewunderung, heute bei Ihnen sein zu dürfen, Ihre Geschichte zu hören und Ihre persönliche Sicht auf diese bewegten Jahrzehnte kennenzulernen. Frau Söding, wenn Sie an Ihre Kindheit zurückdenken: Wie war Ihr Alltag damals und welche Menschen haben Sie in dieser Zeit besonders geprägt?

Sigrid Söding: Eltern, Lehrer und Polizisten waren für uns Respektspersonen. Sie waren streng, ja – aber wir konnten viel von ihnen lernen. Gerade im Krieg hat uns so etwas Halt gegeben.

Marko Winter: Sie haben den Krieg selbst erlebt. Können Sie beschreiben, wie sich diese Zeit für Sie angefühlt hat und was Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Sigrid Söding: Krieg ist etwas ganz Schlimmes. Viele Kinder haben ihre Väter verloren. Die Mütter mussten allein sehen, wie sie ihre Kinder großziehen. Oft waren es drei oder vier Kinder – und es gab kaum etwas zu essen.
Wir hatten keine Heizung, oft keinen Strom. Die Hausaufgaben wurden bei Kerzenlicht gemacht. Und trotzdem waren wir Kinder glücklich. Zufrieden. Wir haben aus wenig viel gemacht.

Marko Winter: Welche Träume hatten Sie in Ihrer Jugend?

Sigrid Söding: Nach 1945 hatten wir nur einen Wunsch: Nie wieder Krieg! Trotz Lebensmittelkarten und Rationierungen hatten wir wieder Hoffnung. Niemand wollte je wieder eine Waffe in die Hand nehmen. Wir haben uns auf einfache Dinge gefreut – Tanznachmittage, gemeinsame Wanderungen, das Zusammensein.

Marko Winter: Ich verstehe. Nach dem Krieg begann für viele Menschen ein Neuanfang. Wie haben Sie diese Zeit erlebt, und was hat Ihnen geholfen, wieder Zuversicht zu finden?

Sigrid Söding: Es ging aufwärts. Wir hatten Arbeit, auch wenn es viel war – 48 Stunden die Woche, auch samstags. Aber wir waren zufrieden. Vor allem hatten wir eines: Frieden.

Marko Winter: Sie konnten sowohl Aufstieg und Fall des sozialistischen Systems in der DDR erleben. wie haben Sie diese Zeit empfunden?

Sigrid Söding: Es war nicht alles schlecht. Wir hielten zusammen. Die Kinder wuchsen in Sicherheit auf. Jeder hatte Arbeit. Große Unterschiede zwischen Arm und Reich, wie ich sie heute sehe, gab es kaum.

Marko Winter: Wenn Sie Ihr heutiges Leben mit früher vergleichen – was hat sich für Sie am stärksten verändert?

Sigrid Söding: Viele Menschen wollen immer mehr. Früher waren wir zufrieden, wenn wir Arbeit hatten und genug zu essen. Wir haben die Gemeinschaft geliebt. Aus kleinen Anlässen wurden Feste. Man hat sich getroffen, gelacht, Zeit miteinander verbracht.

Marko Winter: Heute sehen wir wieder Krieg – zum Beispiel in der Ukraine und auch Konflikte im Nahen Osten. Wenn Sie diese Bilder sehen: Was löst das in Ihnen aus?

Sigrid Söding: Ich frage mich: Müssen wir uns überall einmischen? Muss jeder Konflikt zur eigenen Angelegenheit werden?

Marko Winter: Wenn Sie an damit einhergehende politische Entscheidungen z.B. in Bezug auf Waffenlieferungen denken: Was würden Sie sich heute konkret von Regierungen wünschen, um solche Konflikte zu beenden oder gar nicht erst entstehen zu lassen?

Sigrid Söding: Mit Waffen beendet man keinen Krieg. Wo bleibt die Diplomatie? Wir leben in einer modernen Zeit – und trotzdem werden Konflikte immer noch mit Waffen gelöst. Das verstehe ich nicht. Politiker sollten näher am Volk sein und mehr Verantwortung im Sinne des Friedens übernehmen.

Marko Winter: Und zum Schluss: Was möchten Sie jüngeren Menschen mit auf den Weg geben?

Sigrid Söding: Uns geht es doch nicht schlecht. Wir sollten dankbarer sein. Für ein Dach über dem Kopf. Für genug zu essen. Für Gesundheit. Und für die Menschen, die wir lieben. Viele hier wissen gar nicht, wie wertvoll es ist, ohne Angst zu leben. Ohne Angst, jemanden durch Krieg zu verlieren.

Marko Winter: Vielen Dank für das Gespräch!

Geschenktisch zum 90-igsten © Claudia Weinmann-Söding
Geschenktisch zum 90-igsten © Claudia Weinmann-Söding

Über den Autor

Marko Winter
Marko Winter, © Nicole Weber, Die Fotomeisterin, 2024

Ich bin Marko Winter. Von Beruf bin ich gelernter Dipl.-Ing. für Informationstechnik. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder.

Entscheidungen, welche immer wieder gegen die Interessen der eigenen Bürger getroffen werden, haben mich politisch aktiv werden lassen. Als langjähriger ehrenamtlicher Stadtrat in Freiberg und Kreisrat in Mittelsachsen setze ich mich für die Region ein. Ich habe die AfD im Kreis Mittelsachsen mitgegründet.

Seit 2024 bin ich Mitglied des Sächsischen Landtags und wurde im Wahlkreis um Freiberg mit 39,6 % direkt gewählt. Im Landtag engagiere ich mich für die Corona-Aufarbeitung und bin digitalpolitischer Sprecher meiner Fraktion.

Mediale Schieflagen in der Berichterstattung etablierter Medien haben mich zum Unterstützer der Bürgerzeitung FORUM AKTUELL werden lassen.

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