Im Schatten der Ordnung – Erinnerungen eines Projektleiters an den Nahen Osten
von Claudia Weinmann-Söding
Das Freiberger Urgestein Hermann Frenzel, seit 2024 für die AfD im Freiberger Stadtrat, hat viele Jahre im Ausland gearbeitet. Vor allem war er als Projektleiter für Straßenbautechnik im Nahen Osten tätig – unter anderem in Saudi-Arabien und im Iran. FORUM AKTUELL hat ihn nach prägenden Erlebnissen befragt.
Forum Aktuell: Herr Frenzel, Sie haben viele Jahre im Ausland gearbeitet. Können Sie uns kurz Ihren beruflichen Werdegang schildern?
Hermann Frenzel: Ich bin gelernter Stahlbaumeister und Schweißmeister und habe viele Jahre als Bau- und Betriebsleiter im Stahl- und Anlagenbau sowie als Service-Manager in Europa, den USA und im Nahen Osten gearbeitet. Ich war in über 60 Ländern unterwegs, vor allem als Projektleiter für Straßenbautechnik im Nahen Osten – unter anderem in Saudi-Arabien und im Iran.
Forum Aktuell: Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Zeit in Saudi-Arabien?
Hermann Frenzel: Ja, sehr gut. Ab 2009 arbeitete ich in einem Großraumbüro in Riad. Der gesamte Alltag der meisten Menschen dort wird von der sunnitischen Ausrichtung des Islam bestimmt. Die Gesellschaft unterliegt streng religiösen Regeln. Andersgläubige werden verachtet und leben gefährlich. Mein Schreibtischnachbar erzählte mir gleich am ersten Tag, dass mein Vorgänger an genau diesem Schreibtisch erschossen worden sei, weil er Christ war. Die Täter wurden nie gefasst. Das hat mich tief erschüttert.
Forum Aktuell: Hatten Sie sich vorher schon mit dem Islam beschäftigt?
Hermann Frenzel: Nein, eigentlich gar nicht. Ich war Techniker, meine Aufgabe war es, Mitarbeiter zu schulen, Schweißlehrgänge zu geben und die Produktion zu überwachen. Erst durch die Erfahrungen vor Ort wurde ich mit den gesellschaftlichen und religiösen Strukturen konfrontiert.
Forum Aktuell: Wie ging es dann im Iran weiter?
Hermann Frenzel: Nach etwa einer Woche in Saudi-Arabien ging es weiter nach Teheran. Mein Reisepass war voller Stempel aus aller Welt – deshalb wurde ich bei der Einreise sehr gründlich kontrolliert, bis auf die Unterwäsche musste ich mich ausziehen. Dort sah ich auch zum ersten Mal Frauen vollständig verschleiert in Burkas.
Forum Aktuell: Wie war die Zusammenarbeit vor Ort?
Hermann Frenzel: Zunächst sehr freundlich. Mein Geschäftspartner sprach Deutsch, hatte in Deutschland studiert. Ich unterstützte den Vertrieb, da die Verhandlungen auf Englisch geführt wurden. Später liefen Gespräche aber auf Farsi – das machte mich misstrauisch, weil ich nicht mehr nachvollziehen konnte, ob alles im Sinne meiner Firma lief.
Forum Aktuell: Welche Eindrücke haben Sie vom Alltag im Iran gewonnen?
Hermann Frenzel: Das Land wirkte auf mich stark verändert seit der Zeit des Schahs. Viele frühere Strukturen waren verschwunden. Es gab große soziale Probleme – Müllberge, Armut, und vor allem eine spürbare Ungleichbehandlung von Menschen anderer Herkunft oder Religion. Gastarbeiter aus Ländern wie Nepal oder den Philippinen wurden teilweise schlecht behandelt oder gar nicht bezahlt.
Forum Aktuell: Sie haben auch sehr drastische Situationen erlebt. Können Sie darüber sprechen?
Hermann Frenzel: Ja, das waren Erlebnisse, die mich bis heute prägen. Ich habe gesehen, wie öffentliche Strafen vollzogen wurden. Ein besonders erschütternder Fall war ein junges Mädchen, das öffentlich hingerichtet wurde – unter Umständen, die ich als zutiefst ungerecht empfunden habe. In einer Universitätsstadt wurde ein Student erschossen, weil er trotz Warnung weiter Gitarre spielte. Solche Vorfälle haben mir gezeigt, wie stark Angst das gesellschaftliche Leben bestimmen kann.
Forum Aktuell: Gab es Versuche, Sie persönlich zu beeinflussen?
Hermann Frenzel: Ja, es wurde versucht, mich zur Konversion zu bewegen. Es wurde sogar eine Feier organisiert. Das war für mich der Punkt, an dem ich gesagt habe: Das geht zu weit. Ich habe mich zunehmend unwohl und unter Druck gefühlt.
Forum Aktuell: Wie würden Sie den Unterschied zwischen Saudi-Arabien und dem Iran beschreiben?
Hermann Frenzel: Nach meiner Wahrnehmung war der Iran deutlich strenger in der Auslegung religiöser Regeln. In Saudi-Arabien war vieles ebenfalls reguliert, aber im Iran habe ich die Kontrolle als intensiver und allgegenwärtiger erlebt.
Forum Aktuell: Warum haben Sie sich schließlich entschieden, zurückzukehren?
Hermann Frenzel: Es war letztlich eine Kombination aus beruflichen und persönlichen Gründen. Zum einen wurden vertragliche Vereinbarungen von meinem Geschäftspartner nicht eingehalten, was die Zusammenarbeit zunehmend erschwerte. Zum anderen stand ich immer stärker unter Beobachtung, was in mir ein Gefühl permanenter Unsicherheit erzeugte. Hinzu kam die allgemeine Situation vor Ort: die ständige Angst, die spürbaren Einschränkungen im Alltag und der wachsende Druck, sich anzupassen. 2011 habe ich daher die Entscheidung getroffen, nach Deutschland zurückzukehren.
Forum Aktuell: Wie blicken Sie heute auf diese Zeit zurück?
Hermann Frenzel: Es waren prägende Jahre. Ich habe gesehen, wie politische Systeme und religiöse Auslegungen das Leben von Menschen stark beeinflussen können – oft zum Nachteil der Bevölkerung. Besonders kritisch sehe ich, wenn Religion zur Rechtfertigung von Gewalt oder Unterdrückung genutzt wird.
Schlusswort, Forum Aktuell: Herr Frenzel, wenn Sie die heutige Weltlage betrachten – etwa die Spannungen und Konflikte im Nahen Osten – sehen Sie Parallelen zu Ihren damaligen Erfahrungen?
Hermann Frenzel: Ja, gewisse Parallelen sehe ich schon. Konflikte wie der zwischen Iran und Israel zeigen, wie eng Politik, Macht und religiöse Überzeugungen miteinander verknüpft sein können. Dabei habe ich oft den Eindruck gewonnen, dass es weniger um den Glauben an sich geht, sondern darum, wie er ausgelegt und instrumentalisiert wird.
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