Freie Patzer mit System?
von Dominik Kern
Interview mit Dr. Mathilda Huss
Beim ersten Lesen des Artikels mit der Überschrift „Gastgeberin des Potsdamer Treffens: Correctiv-Geschichte störte Pläne für Schloss Reinsberg“ (Freie Presse Sachsen vom 23.03.26) sticht der insinuierende Verweis auf Carl Schmitt ins Auge. Beim Einordnen der Aussagen in diesem Zusammenhang wird klar, dass die Fragen nach der „Durchmischung der Bevölkerung“ und dem „Gegensteuern“ gar nicht gestellt wurden. Vielmehr bezog sich die Frage aus dem Publikum auf Oswald Spenglers „Untergang des Abendlandes“ und lautete:
..., dass die westlichen Eliten sozusagen wie von innen selbst erodieren und dass die westliche Welt sozusagen langfristig den Bach runtergeht ... Wie sehen Sie das? Ist es aus naturwissenschaftlicher Sicht gesehen ein unausweichlicher Prozess oder sehen Sie Möglichkeiten durch eine andere Ausrichtung, eine andere Politik oder andere Prämissen, die man implementieren müsste oder sollte, eine Änderung oder wieder einen Weg in die Zukunft zu eröffnen?
Frau Dr. Huss antwortete auf diese Frage wie folgt:
Mein Thema war tatsächlich Dekadenz bzw. Dysgenik bzw. der Untergang der Kultur. Mein Thema war eigentlich Geburtenraten, und Geburtenraten sind ja nun weltweit gesehen im Niedergang. Die Ostasiaten sind uns noch einen Schritt voraus und ich mache tatsächlich einige bestimmte Aspekte unserer zivilisierten Welt dafür verantwortlich. Deswegen meine Predigt hier: Biologie als Voraussetzung könnte das richten.
Die Antwort „Biologie als Voraussetzung könnte das richten“ bezieht sich also auf eine Frage nach dem Niedergang unserer westlichen Zivilisation.
Im Artikel der FP steht dagegen:
Auf eine Frage aus dem Publikum, ob es möglich sei, bei der Durchmischung der Bevölkerung politisch gegenzusteuern, sagte sie: „Biologie als Voraussetzung könnte das richten.“ Und: „Wir müssen zurück zur Natur.“ Sie sei Biologin, erklärte Mathilda Huss, und kenne sich mit Autoren wie Carl Schmitt nicht so gut aus.
Ob es sich dabei um eine unglückliche Kürzung handelt oder ob der Text eine bewusste redaktionelle Schwerpunktsetzung widerspiegelt, versuchen wir im Gespräch mit der Referentin herauszufinden.
Frau Dr. Huss, worauf beziehen sich zunächst Ihre in diesem Ausschnitt genannten Aussagen?
„Biologie als Voraussetzung könnte das richten.“ bezieht sich auf eine Frage nach dem Niedergang einer Zivilisation und ich sage eindeutig, die Beachtung der Biologie könnte die Geburtenraten verbessern.
„Ich glaube, wir müssen zurück zur Natur.“ – so suggeriert es der Artikel – sei mit der Frage nach Durchmischung verbunden, die nicht Thema war. Wie im Fortgang meiner Antwort zu erkennen, bezog ich mich damit auf die These des „weißen Blattes“ und darauf, dass es nicht erstrebenswert ist, fremdbestimmt zu sein.
Obwohl Sie sagen, Sie kennen Carl Schmitt nicht gut, wird sein Name bewusst hervorgehoben. Wie interpretieren Sie diesen Verweis, sehen sie darin Framing oder die Absicht einen Bezug zum Nationalsozialismus zu unterstellen?
Genau so, wie Sie es richtig einordnen: Es handelt sich um Framing. Durch bestimmte Namen und Assoziationen wird ein Deutungsrahmen geschaffen, der mit meinen Aussagen nichts zu tun hat. Genau dieses Muster habe ich in meinem Vortrag beschrieben: „quod erat demonstrandum“. Ideologisierte Aktivisten sehen überall das, was sie selbst wohl obsessiv beschäftigt. Der Publizist Broder hat es mal unappetitlich genannt „Wogegen Du angehst da steckst Du tief drin!“ Andersdenkende werden bewusst diffamiert.
Wie beurteilen Sie den Artikel insgesamt?
Er ist voller Insinuationen. Fragen und Antworten werden willkürlich zusammengewürfelt. Offensichtlich hat er nicht im Ansatz verstanden, worum es mir geht. Aber das macht auch nichts – weil andere hier am Beispiel sehen können, wie jene Pressevertreter vorgehen, die in der Vergangenheit pauschal als „Lügen-“ oder „Lückenpresse“ bezeichnet wurden. Ich sehe das anders: Entweder folgen sie bestimmten Methoden Gramscis oder sie sind tatsächlich stark eingeschränkt in ihrer Wahrnehmung.
Wie gesagt: Sie sind stehen geblieben. Das hat auch der Naturwissenschaftler [Anmerkung: als „promovierter Naturwissenschaftler“ gab sich in der Diskussion ein Zuhörer aus, der den Vortrag als „pseudowissenschaftlich verkleideten Rassismus“ bezeichnete] mit seinen überholten Argumenten gezeigt – es wird nicht auf aktuelle Forschung eingegangen. Weil nicht sein kann – was nicht sein darf. Daraus entsteht diese Hybris und moralische Selbstherrlichkeit.
Der Artikel greift zudem den bereits widerlegten „Correctiv“-Bericht auf und verbreitet entsprechende Narrative weiter. Über meinen Vortrag erfährt man wenig – über meine Person dafür umso mehr, und das in einer klar tendenziösen Weise. In der Summe entsteht kein Bericht, sondern ein verzerrtes Bild.
Ziehen Sie rechtliche Schritte in Betracht?
Ja. Ich erwäge eine Unterlassungsklage. Aus meiner Sicht liegt hier eine eindeutige Falschdarstellung vor.
Vielen Dank für das Gespräch!