Blick nach Chemnitz: Kulturhauptstadt - was bleibt?
von Bob Polzer
Dieser Artikel ist noch in Überarbeitung, d.h. Baustelle: Bob Polzer ist Gastautor und Stadtrat (AfD) in Chemnitz. Er berichtet regelmäßig exklusiv für FORUM AKTUELL aus dem "Sächsischen Manchester".
Chemnitz war 2025 Kulturhauptstadt. Ein Ereignis, von den Oberen und der Kunst- und Kulturszene herbeigesehnt und von vielen kleineren Initiativen als Chance begriffen, endlich einmal Geld für die vielen „Nice-to-have“ Dinge zur Verfügung zu haben. Nun ist die Kulturhauptstadt Geschichte und es drängen die alten Probleme auf die Tagesordnung
Aktuell gibt es eine große Diskussion um das Schauspielhaus in Chemnitz. Hierzu muss man wissen, dass Chemnitz einen 5-Sparten Kulturbetrieb besitzt, welcher als Theater gGmbH – eine 100%-ige Tochter der Stadt Chemnitz – firmiert. Dazu gehören Oper, Ballett, Sinfonieorchester, Schauspiel und Figurentheater. Dieser Kulturbetrieb beansprucht die schwindelerregende Summe von mehr als 36 Millionen € Zuschuss (!) jährlich, und dabei sind noch nicht einmal die Unterhaltskosten und Abschreibungen für die genutzten Baulichkeiten dabei, die sind nämlich in der Hand der Stadt und werden dem Theaterbetrieb zur Nutzung überlassen.
Dass in dieser Konstellation naturgemäß nur sehr zurückhaltend in die Bausubstanz investiert wird, muss nicht verwundern. Immerhin ist das Schauspielhaus im Park der Opfer des Faschismus nun auch das erste Opfer einer jahrzehntelangen Vernachlässigung geworden. Nachdem zunächst für Millionenbeträge eine dringend notwendige Brandschutzertüchtigung einen mittelfristigen Weiterbetrieb sichern sollte, hat sich hier herausgestellt, dass immer neue Mängel zutage traten, welche den Sanierungserfolg in Frage stellten. Von geplanten 15 Millionen € für eine Spielbetriebssicherung im Kulturhauptstadtjahr 2025 explodierten die Kosten zügig auf 35 Millionen € für eine sinnvolle Sanierung. So wurde dann 2021 die Reißleine gezogen und der Spielbetrieb in ein Interimsobjekt verlagert.
Das brachliegende Haus verfällt seither rasant und in der interessierten Öffentlichkeit und der Kulturszene tobt ein Richtungsstreit, ob denn nun das Denkmalobjekt saniert werden soll oder ob ein Neubau (und wenn ja, wo?) anzustreben sei. Die uninteressierte Mehrheit nimmt die Diskussion verwundert zur Kenntnis und fragt sich, wieso überhaupt für einen Theaterneubau Geld ausgegeben werden soll. Möglicherweise ist das „große“ Schauspieltheater einfach aus der Zeit gefallen, wenn man sich die heutige Medienlandschaft und deren Nutzung vor Augen hält. Jedenfalls scheint es nicht vertretbar, für mittlerweile schon 56 Millionen € einen Theaterneubau ins Auge zu fassen. Es ist auch nicht zu erwarten, dass eine solche Zahl in irgendeiner Form belastbar ist. Ein Blick nach Mannheim genügt (Chemnitz hat sich Anfang der 90er gerne mit der mittleren Großstadt Mannheim verglichen) um zu erkennen wo die Reise hingehen kann: aktuell werden dort 400 Millionen Euro aufgerufen, wobei man 2020 mit 247 Millionen € gestartet ist in denen 120 Millionen € Fördermittel enthalten sein sollten.
Wie hat man eigentlich früher Theater finanziert und gebaut? Hier lohnt sich der Blick in die Geschichte des Chemnitzer Central-Theaters als wohl spektakulärsten Kulturbetrieb der Stadt Chemnitz am Anfang des 20-sten Jahrhunderts:
Erfolgreiche Unternehmer gründeten am 30.09.1901 eine Gesellschaft Namens Central-Theater G.m.b.H. Schon am 06.12.1902 eröffnete das Haus nach einer Investition von ca. 1,5 Millionen Goldmark mit knapp 1.800 Plätzen mit einem Festakt. Der Beitrag der Stadt Chemnitz zu diesem Unternehmen bestand in einer zügig erteilten Genehmigung. Das Haus wurde bis zu seiner Zerstörung im zweiten Weltkrieg erfolgreich betrieben, ohne dass es irgendwelcher staatlicher Förderung bedurft hätte.
Diese wie aus dem Märchenbuch Geschichten aus 1000 und einer Nacht anmutende Story beeindruckt angesichts heutiger Bauvorhaben und Zuschussbedarfe ungemein.
Was kann uns das lehren?
Der Erfolg kulturellen Lebens entstand schon früher durch die freiheitliche Entscheidung tatkräftiger Unternehmer, deren wirtschaftlicher Erfolg die Basis für die Schaffung von Kunst und Kultur bildete. Die heutige Zwangsbeatmung von nicht mehr zeitgemäßen Kunst- und Kulturformen schafft keine lebendige Kulturlandschaft, sondern nur ein einseitiges Kulturökosystem, welches den bestehenden Herrschaftsstrukturen applaudiert und vor allem damit beschäftigt ist, Besitzstände zu sichern.
Die politischen Akteure müssen sich zukünftig entscheiden, ob sie sich ein System von Hofschauspielern halten wollen und falsche Prioritäten für den Einsatz öffentlicher Mittel setzen, oder ob sie sich darauf konzentrieren, die Stärkung der Wirtschaft als Fundament für eine lebendige Kulturlandschaft fördern zu wollen.
Die AfD in Chemnitz ist kommunalpolitisch mit der programmatischen Aussage angetreten: „Erst Infrastruktur und dann Kultur!“
Bei der Verwendung der Infrastrukturmittel aus den Sonderschulden des Bundes muss diesem Prinzip besonderes Gewicht beigemessen werden.