AGATHE PACKT AUS Alarmstufe: Ein Wort (Teil 1)

Von: Ivonne Grecksch

mit KI generiert

Ich genieße meine Ruhe. Richte Blöcke aus, ziehe Geschenkpapierrollen glatt, sortiere, bringe Ordnung in mein kleines Reich. Für einen kurzen Moment fühlt sich alles ganz friedlich an. Fast wie im Auenland. Diese eine Szene, in der alles noch ruhig ist. Sanfte Hügel, kleine Häuser, eine Welt, in der jeder weiß, wo er hingehört. Genau so wirkt mein Gang. Alles steht ordentlich an seinem Platz. Nichts ist verrutscht, nichts stört das Bild. Man hört nur das leise Rascheln von Papier und das ruhige Einsortieren der Ware.

Und dann ist da dieses Geräusch. Ein Einkaufswagen. Langsam rollt er durch den Gang, dieses typische Rattern, das immer näherkommt. Fast so, als würde gleich jemand um die Ecke fahren wie Gandalf auf seiner Reise ins Auenland. Noch ist alles entspannt. Noch gehört dieser Moment mir. Ich gehe weiter, richte aus, schiebe zurecht und glaube für einen kurzen Augenblick tatsächlich, dass es vielleicht einfach so bleiben könnte. Diese trügerische Ruhe. Und dann passiert es.

„Agathe bitte zur Kasse.“ Da ist er. Der Moment. Ich lasse alles stehen und liegen und mache mich auf den Weg. Der Weg zur Kasse wird zum Hindernislauf. Einkaufswagen stehen plötzlich im Weg, Kunden bleiben genau da stehen, wo man durch will. Und dann kommt sie. Diese eine Stimme.

„Senf.“ Ich bleibe stehen. Nicht, weil ich will. Sondern weil es erwartet wird. Ich drehe mich um. Da steht er. Schaut mich an. Wartet. Und in meinem Kopf läuft diese Szene aus Der Herr der Ringe: Die Gefährten. „Du kommst hier nicht vorbei.“ Nur dass es hier kein Zauberstab ist. Nur ein Wort. „Senf.“ Mehr kommt nicht. Kein „Entschuldigung“. Kein „Könnten Sie mir sagen…“. Kein ganzer Satz. Nur ein Wort. Und trotzdem ist die Erwartung klar: Ich soll verstehen. Ich soll helfen. Und am besten noch freundlich dabei lächeln. Ich sehe ihn an und frage mich kurz, ob ich vielleicht auch einfach antworte: „Regal.“ Stattdessen deute ich irgendwo hin, nicke und hoffe, dass es passt. Dann gehe ich weiter. Als wäre nichts gewesen. Als wäre das normal. Ich schlängle mich weiter durch, vorbei an Blicken, vollen Wagen und diesem leisen Druck, der überall hängt wie ein Schatten über Mittelerde. Und dann stehe ich da. An der Kasse. Mein kleines Tor nach Mordor.
Die letzte Engstelle.

Ich atme einmal kurz durch, nehme den Scanner in die Hand und denke mir: „Wie wenige Worte inzwischen reichen, damit jemand etwas von dir will.“

Fortsetzung folgt…

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