Kreislaufwirtschaft vs. Windrad - oder dreht sich alles nur im Kreis?
von: Andreas Schettler
Bei der Bäckerei Möbius in Oederan gibt es nach 18.00 Uhr die "Überraschungstüte" zum halben Preis! Selbst in Dresden scheint das bekannt zu sein, denn bei der „Anpacktour“ seiner CDU erschien Ministerpräsident Kretschmer am Mittwochabend (20.5.2026) in den Räumen der überregional bekannten Großbäckerei. Bis auf den letzten Platz war der schöne Saal mit rund 130 Besuchern besetzt, die anscheinend an dem Thema „Kreislaufwirtschaft“ interessiert waren.
Unser Land steckt in einer tiefen Finanzkrise: Einer prognostizierten Finanzierungslücke von 2,9 Milliarden Euro und neuen Schulden von 1,45 Milliarden Euro stehen zwar Rekordsteuereinnahmen von 53 Milliarden Euro gegenüber, doch zeitgleich galoppieren die Insolvenzzahlen.
Für die Menschen in der Kleinstadt steht das diskutierte Thema angesichts dieser existenziellen Sorgen hintenan. Dennoch bot der Abend handfeste Inhalte: Die einführenden Worte von Gastgeber Mathias Möbius zu regionaler Wertschöpfung und Nachhaltigkeit hatten Substanz und gewährten tiefe Einblicke in das Familienunternehmen.
Prof. Gutzmer vom Helmholtz-Institut für Ressourcen-Technologie Freiberg nutzte die Bühne, um für den Uni-Standort zu werben und regionales Interesse bei zukünftigen Doktoranden zu wecken. Die folgenden Publikumsfragen berührten das Thema dann aber kaum.
Energiepreis und Windkraft dominierten die Debatte. Der Bauunternehmer Thimann bezog sich dazu auf die Ersatz-Baustoffverordnung und wollte Auskunft über den Abfallschlüssel zur Entsorgung von Glasfaser-Verbundwerkstoffen. Gerald Pistl aus Oederan übergab gar eine Liste mit 17 Fragen zum EEG. Den Schlussdialog mit Kretschmer führte Günter Lorenz von der Bürgerinitiative „Gegenwind-Gahlenz“, in welchem der Verdacht einer Verschleppung bei der Erarbeitung des Regionalplanes Wind zur Kenntnis gebracht wurde, wodurch der unregulierte Bau von Windenergieanlagen begünstigt wird. Kretschmer, dessen politische Kernaussage der letzten Jahre das „Scheitern der Energiewende“ war, versprach, alles mitzunehmen und intensiv prüfen zu lassen. Energiewirtschaft dürfe kein Thema von Ideologie sein und überdies sah er bei dem Dreieck Energie-Klima-Wirtschaft einen Kontrollverlust. Bleibt also abzuwarten, was in der "Überraschungstüte" aus Dresden drin sein wird, so sie denn vor dem endgültigen Verfallsdatum in Oederan ankommen sollte. Problemlösungen oder nur heiße Luft? „Wenn du ein totes Pferd reitest, steig ab!“, wussten schon die Dakota.
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