In Freiberg geboren, für Sachsen prägend: Kurfürst August wird 500!
von Marko Winter
Am 31. Juli 1526 wurde August von Sachsen im Schloss Freudenstein in Freiberg geboren. Er steht für viele Eigenschaften die Sachsen groß gemacht haben oder typisch sind. Er ordnete die Verwaltung und scheute sich nicht selbst mit anzupacken, wenn ihm die Bürokratie zu zäh war, z.B. bei der Landvermessung. Es gelang ihm die Finanzen zu ordnen und ein beträchtliches reales Staats-Vermögen aufzubauen. Eine effektive Verwaltung und intensive wirtschaftliche Tätigkeiten, gerade auch das geförderte Berg- und Hüttenwesen, waren eine Quelle sächsischen Wohlstands und gewissermaßen „typisch sächsisch“. Schon zu Lebzeiten prägte sich deswegen die Bezeichnung „Vater August“ ein. Auch seine Bemühungen um Frieden und Ausgleich z.B. innerhalb der wettinischen Herrscherlinien gehört dazu.
Diese Bodenständigkeit stand im Gegensatz zum Wirken seines berühmten Bruders Moritz. Dessen Vermächtnis ist als „zwiespältig“ zu betrachten, was sein Beiname „Judas von Meißen“ bezeugt. Dabei ist nicht nur sein Verrat an der evangelischen Sache zu nennen, vielmehr ist ihm sogar der Verrat an deutschen Interessen anzulasten, in dem er im Vertrag von Chambord deutsche Städte (Cambrai, Toul, Metz, Verdun) an den franz. König „verkaufte“ und damit die französische Landgier beförderte.
Das Stadt- und Bergbaumuseum hatte zu "Vater August" eine sehenswerte kleine Sonderausstellung gemacht und Führungen organisiert. Diese endete leider am 31. März. Wir haben die Museumsdirektorin Andrea Riedel dazu „politisch inkorrekt“ befragt. Sie hat uns mit ihrer Expertise weitergeholfen. (Das Interview führte unsere Redakteurin Ivonne Grecksch)
Redaktion: In der Bekanntheit steht "Vater August", wie er liebevoll genannt wurde, weit hinter seinem Bruder Moritz, welcher als "Judas von Meißen" bekannt wurde. Warum ist das so?
Andrea Riedel: Dies sehe ich nicht so. Jeder der Brüder hat für Sachsen in sehr unterschiedlicher Weise gewirkt. Moritz war als Erstgeborener für den Herzogtitel prädestiniert, übernahm diesen nach dem Tod seines Vaters und versuchte in der „Außenpolitik“ das Ansehens Sachsen zu stärken. Nach dem Schmalkaldischen Krieg wurde Moritz am 4. Juni 1547 zum Kurfürsten von Sachsen erhoben. Die Kurwürde war jedoch zu einem hohen Preis erworben: Er hatte sowohl die evangelische Seite und Sache als auch seinen Schwiegervater Philipp von Hessen verraten. Daher auch die Bezeichnung als „Judas von Meißen“. Sein Bruder August, welcher erst nach dem Tod seiner beiden älterer Brüder unerwartet und plötzlich im August 1553 Kurfürst wurde, hatte eher die „Innenpolitik“ im Auge und baute den Territorialstaat aus. Seinem Bruder Moritz ließ er im Freiberger Dom im Jahr 1563 ein prunkvolles Monument in Form eines Renaissance Kenotaph errichten – das Moritzmonument, welches heute zu den bedeutendsten Renaissancefreigräbern Europas gehört. Aus meiner Sicht stehen Moritz und August auf einer Stufe durch ihr jeweiliges Wirken, denn August war einer der wenigen europäischen Fürsten, welchen es im 16. Jahrhundert gelang, einen umfangreichen Staatsschatz anzusparen, von welchem Kursachsen profitierte.
Redaktion: In der zeitgeistigen, feministischen Sichtweise wird das Wirken von Frauen in der Geschichte oft überhöht dargestellt. Wie bewerten Sie den Einfluss seiner Gemahlin Anna von Dänemark ohne ideologischen Ballast?
Andrea Riedel: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau – so auch Kurfürstin Anna. Geboren als Anna von Dänemark war die Ehe zwischen August und Anna politisch arrangiert und motiviert. Die Ehe entwickelte sich entgegen dem sonst vorherrschenden Muster sehr harmonisch und bespielhaft. In den 37 Jahren Ehe waren die beiden nur wenige Tage getrennt. Anna nahm sehr klug Einfluss auf die Entscheidungen Ihres Mannes. Die persönliche Nähe und den Respekt, welche Anna ihrem Mann, dem Kurfürsten, entgegenbrachte, sind Grundlage für diesen Einfluss. Sie selbst widmete sich der Verwaltung der kurfürstlichen Wäsche, als kluge Wirtschafterin den Vorwerken und Gärten, der Reformierung des Hebammenwesens im Kurfürstentum und den 15 gemeinsamen Kinder. Sie war in Ehestiftungen für verwandte und befreundete Familien involviert und nutze aufgrund Ihrer Herkunft im Schatten Augusts auch politische Handlungsspielräume, um z.B. schlichtend auf kriegerische Handlungen einzuwirken. Anna war für August eine kluge Ratgeberin.
Redaktion: Welche Bedeutung hat Kurfürst August für Freiberg?
Andrea Riedel: August baute als Kurfürst die landesherrliche Verwaltungsstruktur aus, regelte das Justizwesen neu, reorganisierte das Münzwesen und die Schulverwaltungen. Er förderte ebenfalls die Landwirtschaft und die Bewirtschaftung der Wälder durch eine Forst- und Holzordnung. Seine erlassenen Gesetze flossen in den Codex Augusteus ein. Von all diesen gesetzlichen Neuregelungen profierte auch das damalige Freiberg.
Persönlich widmete er sich der Veredlung von Obstbäumen, der Landvermessung und erlernte das Drechseln mit Elfenbein und das Drahtziehen. Im Jahr 1560 legte er im Dresdner Schloss mit der von ihm gegründeten Kunstkammer der Grundstein für die heutigen Staatlichen Kunstsammlungen.
August erkannte sehr zeitig die Bedeutung des Bergbaus für Kursachsen und förderte diesen. Er fuhr in Bergwerke ein und zeigte so sein Interesse an der Arbeit der Berg- und Hüttenleute. Nicht nur das Moritzmonument gab er in Auftrag, nach dem Tode seiner geliebten Frau Anna entwarf er erste Pläne für die heutige Grablege der Wettiner im nördlichen Chor des Freiberger Domes. Diese wurde, in verkleinerter Form, nach seinem Tod am 11. Februar 1586 durch seinen Sohn Christian I. vollendet. Damit war August nicht nur im Schloss Freudenstein in Freiberg geboren, er fand seine Begräbnisstätte wie sein Bruder Moritz im Dom zu Freiberg. In diesem Jahr jährt sich am 31.07. der 500. Geburtstag August von Sachsens.
Redaktion: Welche weiteren Veranstaltungen, Ausstellungen plant das Freiberger Stadt- und Bergbaumuseum? Wie geht es dort weiter?
Andrea Riedel: Die Sonderausstellung „Plötzlich Kurfürst – August aus Freiberg“ ist noch bis 29. März dieses Jahres zu sehen (Anm. d. Redaktion; Endete bereits). Am 29. März findet die Finissage statt. An diesem Tag gibt es zwei exklusive Sonderführungen (14 und 15.30 Uhr) durch die Sonderausstellung durch den Kurator dieser Ausstellung - Prof. Dr. Dirk Syndram sowie ab 13 Uhr zahlreiche Angebote der Bildung und Vermittlung.
Zwei Tage zuvor werden weitere Themenbereiche der neuen Dauerausstellung, „Bergbau und Kunst“, „Freiberg im 17./18. Jahrhundert“ und „Geschichte der Knappschaft“ der Öffentlichkeit übergeben. Die finale Eröffnung der neuen Dauerausstellung ist für Mai 2027 geplant. Ab 20. Juni können alle Interessierten und Gäste eine weitere Sonderausstellung besuchen – „Licht im Schacht - die Knappschaft 600 Jahre in Freiberg“. Am 20. Juni findet ein dazugehöriges montanhistorisches Kolloquium zu diesem Thema statt.
"Glück auf" aus der Silberstadt
Redaktion: Vielen Dank für die Auskunft!
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"Museumseinblicke" © Marko Winter 2026 -
Museumseinblicke: Karte von Sachsen: "Freiberg im Meissner Land" © Marko Winter 2026 -
Hinweise auf mittlerweile beendete Sonderausstellung, "Plötzlich Kurfürst! August aus Freiberg" vor dem Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg © Marko Winter 2026